Die inneren Pässe Südtirols: von Tal zu Tal ohne Umweg
Sommaire5 sections
Vier Pässe führen von einem Südtiroler Tal ins nächste, ohne die Provinz zu verlassen, und einer davon trennt die deutsche von der ladinischen Sprachzone.
Jaufenpass, Penser Joch, Mendelpass und Würzjoch tauchen in kaum einem Reiseprospekt auf, weil sie nirgendwohin führen, das man nicht auch über eine größere Straße erreichen könnte. Genau deshalb nutzen sie vor allem Einheimische, die eine Passfahrt Umwegen über das Etschtal vorziehen. Der Staller Sattel kommt als fünfter hinzu, mit einer Besonderheit, die keiner der anderen hat: einer Wechselampel mitten auf der Passstraße.
Jaufenpass, gesperrt in der Winternacht
Der Jaufenpass verbindet das Passeiertal mit Meran und San Leonardo auf der einen Seite mit dem oberen Eisacktal bei Sterzing auf der anderen. Die Höhe wird mit 2.096 Metern oder mit 2.094 Metern angegeben, die Werte liegen so nah beieinander, dass die Wahl kaum Auswirkungen hat. Die Straße, die SS44, hat zehn Kehren auf der Eisacktal-Seite und elf auf der Seite des Passeiertals, mit einer Steigung von bis zu 7 bis 8 Prozent.
Der Jaufenpass bleibt auch im Winter geöffnet, allerdings mit einer festen Einschränkung: In der Winterzeit ist er nachts von 18 bis 8 Uhr gesperrt. Wer eine Fahrt am späten Nachmittag plant, sollte diese Sperrzeit im Kopf behalten, sie gilt unabhängig vom aktuellen Wetter.
Penser Joch, geschlossen im Winter
Das Penser Joch verbindet Sterzing mit Bozen, über das Pfitscher- und Sarntal. Die Höhe liegt bei 2.211 Metern, ein Wert, der von zwei Quellen übereinstimmend genannt wird. Anders als der Jaufenpass ist das Penser Joch im Winter zwischen Egg und Pens auf der SS508 komplett gesperrt, nicht nur nachts. Die genauen Termine für Sperrung und Wiedereröffnung sind nicht einheitlich belegt, deshalb nennen wir hier keine festen Daten und verweisen auf die Beschilderung vor Ort.
Die Steigung erreicht maximal 13 Prozent, eine Maut wird nicht erhoben. Damit ist das Penser Joch technisch anspruchsvoller als der Jaufenpass, aber ebenfalls frei von zusätzlichen Kosten.
Mendelpass, das ganze Jahr befahrbar
Der Mendelpass verbindet das Überetsch bei Kaltern mit dem Nonstal im Trentino und liegt auf 1.363 Metern, damit deutlich niedriger als die übrigen Pässe dieses Artikels. Er bleibt das ganze Jahr über praktikabel. Für Fahrzeuge über 9 Meter Länge oder über 12 Tonnen ist die Strecke zwischen Molten und dem Pass gesperrt.
An einem Tag im September wird die Straße für den motorisierten Verkehr gesperrt, das genaue Datum ist jedoch nicht einheitlich belegt und wird hier deshalb nicht genannt.
Das Würzjoch, wo die Sprache wechselt
Das Würzjoch verbindet das Eisacktal mit dem Gadertal und liegt auf 1.982 Metern. Was den Pass von den übrigen vier unterscheidet, ist keine Zahl, sondern eine Grenze: Hier endet die deutschsprachige Zone Südtirols, und auf der anderen Seite beginnt das ladinische Sprachgebiet. Kein anderer Pass dieser Liste markiert einen Sprachwechsel, das Würzjoch ist der einzige.
Wer von Norden oder Osten kommt, fährt durch überwiegend deutschsprachige Orte an. Auf der Seite des Gadertals, im Gebiet um San Martino in Badia, wird Ladinisch gesprochen, die dritte Landessprache Südtirols neben Deutsch und Italienisch. Orts- und Straßenschilder, teils auch das Ohr im Dorfgasthaus, machen diesen Wechsel bereits während der Fahrt spürbar.
Von Mai bis November ist das Würzjoch von allen Seiten erreichbar. Im Winter bleibt nur die Zufahrt von San Martino in Badia aus offen, die übrigen Seiten sind gesperrt. Die Straße hat auf manchen Abschnitten rund 40 Kehren, eine mittlere Steigung von 5 bis 7,5 Prozent und stellenweise bis zu 15 Prozent, bei durchgehend schmaler Fahrbahn und dichtem Verkehr in der Saison.
Staller Sattel, der Pass mit der Wechselampel
Der Staller Sattel verbindet das Antholzertal im Pustertal mit dem Defereggental im österreichischen Osttirol und liegt auf 2.052 Metern. Auf rund 5 Kilometern der italienischen Seite wird der Verkehr im Wechsel durch eine Ampel geregelt, abwechselnd für die eine und dann für die andere Richtung, jeweils im Viertelstundentakt.
Zu den genauen Minuten und dem Zeitfenster, in dem die Ampel überhaupt aktiv ist, finden sich unterschiedliche Angaben. Statt einen dieser Werte als verbindlich zu behaupten, gilt hier nur das Prinzip: Wechselverkehr im Viertelstundentakt. Für den konkreten Fahrplan am Tag der Durchfahrt gilt die Beschilderung vor Ort, im Zweifel ergänzt durch die Verkehrsmeldezentrale.
Der Pass ist im Winter wegen Lawinengefahr komplett gesperrt und öffnet üblicherweise etwa Mitte Mai bis Ende Oktober. Wie bei den anderen Pässen dieses Artikels sollten Sie ein festes Enddatum nicht als gegeben annehmen, sondern vor der Fahrt aktuell prüfen.
Alle fünf Pässe eint, dass sie kürzere, ruhigere Alternativen zu den großen Übergängen sind, jeder mit einer eigenen Einschränkung: Nachtsperre, Wintersperre, Gewichtsgrenze oder Wechselampel. Wie Sie den aktuellen Öffnungsstatus für einen bestimmten Pass an einem bestimmten Tag prüfen, erklärt der Artikel wann die Pässe offen sind. Wer stattdessen die großen, bekannteren Übergänge der Sellagruppe sucht, findet sie im Artikel die Sellaronda und ihre vier Pässe.
Résumer cet article avec :
Partager :
