Sellaronda: die vier Pässe und ihre Provinzen

Sommaire5 sections
  1. 01Vier Pässe, vier Zuständigkeiten
  2. 02Zwei autofreie Tage, und ein dritter in der Nähe
  3. 03Wie lang die Runde tatsächlich ist
  4. 04Der angekündigte Test für 2027
  5. 05Die Pässe im Winter

Die Sellaronda führt über vier Pässe rund um die Sellagruppe, und einer davon, der Pordoijoch, liegt gar nicht in Südtirol.

Wer die Runde als reines Südtiroler Panorama plant, irrt sich an einer Stelle. Zwei der vier Pässe liegen zwar vollständig oder anteilig in der Provinz Bozen, der dritte markiert eine Provinzgrenze, und der vierte gehört zum Trentino und zur Provinz Belluno. Das ändert nichts an der Schönheit der Strecke, aber es ändert, wen Sie im Zweifel anrufen, wenn ein Abschnitt gesperrt ist.

Vier Pässe, vier Zuständigkeiten

Das Grödner Joch (Passo Gardena) verbindet Selva im Grödnertal mit Corvara und liegt vollständig in der Provinz Bozen. Das Sellajoch (Passo Sella) verbindet das Grödnertal mit Canazei im Val di Fassa und bildet dabei die Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino. Der Campolongopass (Passo Campolongo) führt von Corvara nach Arabba und liegt an der Grenze zwischen Bozen und Belluno.

Der vierte Pass fällt aus dem Muster heraus: Das Pordoijoch (Passo Pordoi) verbindet Canazei mit Arabba, und diese Verbindung berührt die Provinz Bozen an keiner Stelle. Sie liegt zwischen dem Trentino und der Provinz Belluno. Wer die Sellaronda vollständig fährt, verlässt Südtirol also für einen Teil der Strecke, ohne es an der Landschaft zu bemerken.

Radfahrer auf einer Passstraße der Sellaronda vor Bergpanorama

Zwei autofreie Tage, und ein dritter in der Nähe

Der Sellaronda Bike Day wird von den Tourismusverbänden des Grödnertals, der Alta Badia, von Arabba und des Val di Fassa gemeinsam organisiert. Im Jahr 2026 fand er an zwei Terminen statt, am Samstag, den 6. Juni, und am Samstag, den 12. September, beide inzwischen vorbei. An diesen Tagen waren alle vier Pässe für den motorisierten Verkehr gesperrt, die Teilnahme war kostenlos und ohne Anmeldung möglich.

Zu den genauen Uhrzeiten kursieren zwei Angaben, 8.30 bis 16 Uhr nach einer Quelle, 9 bis 16 Uhr nach einer anderen. Da sich die Angaben nicht auflösen lassen, nennen wir hier beide, statt eine davon als sicher auszugeben.

Ein zweites, eigenständiges Ereignis wird oft mit der Sellaronda verwechselt: der Dolomites Bike Day, organisiert von Alta Badia und Arabba, im Jahr 2026 am Samstag, den 20. Juni. Er sperrt den Passo Falzarego und den Passo Valparola, beide in der Provinz Belluno und nicht Teil der Sellaronda-Route. Ob der Campolongopass an diesem Tag ebenfalls einbezogen wird, wird nicht einheitlich angegeben, ebenso schwankt die Endzeit zwischen 15 und 14.30 Uhr. Behandeln Sie den Dolomites Bike Day deshalb als Nachbarveranstaltung außerhalb Südtirols, nicht als zweiten Termin derselben Runde.

Wie lang die Runde tatsächlich ist

Zur Streckenlänge der Sellaronda kursieren drei unterschiedliche Zahlen, weil drei unterschiedliche Routenführungen gemeint sind: 62,5 Kilometer mit 2.260 Höhenmetern für die volle Autorunde, 53 Kilometer mit 1.600 Höhenmetern und 51,8 Kilometer mit rund 1.680 Höhenmetern für zwei verschiedene Fassungen der Bike-Day-Strecke. Eine allgemeingültige Kilometerzahl für „die Sellaronda“ gibt es nicht, jede Angabe hängt von der gewählten Route ab.

Für die Tagesplanung heißt das: Eine Zahl auf einem Werbeprospekt oder einer Radkarte sagt Ihnen noch nicht, welche Strecke gemeint ist. Fragen Sie im Zweifel nach, ob die Autorunde über alle Straßenkilometer gemeint ist oder eine der beiden kürzeren Bike-Day-Führungen, bevor Sie die Zahl für die eigene Tour übernehmen.

Der angekündigte Test für 2027

Am Passo Sella gab es im Sommer 2018 einmalig ein System kostenloser Zeitfenster-Genehmigungen für die Durchfahrt. Für 2026 stellt die Autonome Provinz Bozen klar, dass am Grödner Joch keine physische Verkehrsbeschränkung eingeführt wird, die Pässe bleiben ohne Genehmigung und ohne Reservierung befahrbar. Ab September 2026 startet allerdings eine rein digitale Testphase im Hinblick auf eine mögliche Zone mit beschränktem Verkehr, angepeilt für den Sommer 2027.

Die Pässe im Winter

Alle vier Pässe der Sellaronda bleiben ganzjährig geöffnet, anders als viele höhere Übergänge der Region. Vom 15. November bis zum 15. April gilt die Pflicht zu Winterreifen oder Schneeketten an Bord, und bei schlechtem Wetter kann die Straßenverwaltung einzelne Abschnitte kurzfristig und ohne Vorankündigung sperren.

Diese Kombination, ganzjährig offen aber mit winterlichen Auflagen und spontanen Sperrungen, unterscheidet die Sellapässe von Übergängen wie dem Stilfser Joch, die im Winter komplett geschlossen sind. Wer die Sellaronda außerhalb der Sommersaison plant, sollte trotzdem den aktuellen Zustand prüfen, nicht nur die formale Öffnungszeit.

Mehr zu Winterausrüstung und den Regeln rund um Reifen und Ketten finden Sie im Artikel vor der Passfahrt. Wie sich die Öffnungszeiten von Pässen allgemein von Jahr zu Jahr verschieben und wo Sie den aktuellen Stand nachlesen, erklärt der Artikel wann die Pässe offen sind.

Für die Streckenplanung selbst bleibt die praktische Konsequenz einfach: Wer alle vier Pässe fahren will, verlässt zwangsläufig die Provinz Bozen, und wer sich ausschließlich in Südtirol bewegen will, lässt den Pordoijoch aus der Runde weg oder kehrt an dieser Stelle um.

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